Trickfilm "Der böse Gerhard"
Ein Kunstfilm thematisiert die Lebenswelt von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung.
Die Textvorlage zu dem Kunstfilm "Der böse Gerhard" stammt aus der Feder von Renate Gradwohl, einer Künstlerin des Lebenshilfe-Ateliers "Nahtloskunst Kindberg".
Hier ist normalerweise der Link zum Trickfilm. Da wir den Film bei einigen Festvials eingereicht haben und mit Preisen liebäugeln, haben wir ihn schweren Herzens von unserer Webseite für die Zeit der Einreichung entfernt. Sobald wie möglich werden wir ihn wieder online stellen. Danke für Ihr Verständnis!
Der böse Gerhard
Kann nicht schlafen.
Träumen – böser Gerhard.
Habe keinen Mann.
Leben – gestorben.
Brauch einen Mann.
Böser Gerhard!
Husten, Tränen.
Kann nicht schlafen.
Ich – Begräbnis. Tot.
Böser Gerhard.
Warum? Ich will heiraten.
Kann nicht schlafen.
Mir geht´s gut.
Ich lebe nicht.
Böser Gerhard!
Früh auf – Tränen.
Warum? Böser Gerhard!
Ingrid.
Böse Ingrid!
Traurig.
Kann nicht. Begräbnis.
Leben! Helfen!
Nie mehr soll sterben.
Kirche – Herz. Ring.
Böser Gerhard.
Warum?
Keiner mehr küssen.
Böser Gerhard.
Zum Inhalt:
Die Protagonistin ist verzweifelt über den Verlust ihres Geliebten. Sie möchte am liebsten sterben und visualisiert im Traum ihren Tod. Ingrid hat sich zwischen sie und ihren Geliebten gedrängt. Sie nimmt den
Kampf gegen die Widersacherin auf, doch diese schwingt sich auf den Rücken eines Drachens, attackiert sie von allen Seiten und ist ihr im Kampf überlegen. Erschöpft legt die Besiegte ihre nutzlosen Arme beiseite und tauscht sie gegen Flügel.
Als Engel oder flüchtige Seele entdeckt sie ihren Lebenssinn und ihre Lebensfreude wieder, doch die Rückkehr ins Irdische, zu Körperlichkeit, Sinnlichkeit, Zärtlichkeit und Emotionalität, zur Realisierung von Wünschen und zum konkreten Handeln sind ihr nun verwehrt. Traurig löst sie sich von ihrem Abbild, das ins Nichts entschwindet. (Susanne Strobl, Regisseurin, Produzentin)
Trickfilm zeigt Kampf gegen soziale Ausgrenzung
Der Trickfilm nach der gleichnamigen Lyrik "Der böse Gerhard" thematisiert mehrere Hindernisse im Leben von Menschen mit Behinderungen. Zur Sprache kommen die soziale Ausgrenzung, die Stellung der Frau sowie Partnerschaft und Sexualität, nach wie vor ein Tabu in Bezug auf Menschen mit Behinderungen. Die Lebenshilfe Österreich setzt den Trickfilm als Impulsgeber auf Konferenzen, Tagungen und Workshops ein, um damit eine Diskussion über Inklusion anzuregen. Inklusion bedeutet gleiche Rechte für Menschen, die verschieden sind und ist als Prinzip in der UN-Behindertenrechtskonvention verankert.
Zur Person: Renate Gradwohl
Renate Gradwohl arbeitet in der Lebenshilfe-Einrichtung "Nahtloskunst Kindberg". Sie schreibt Gedichte und Texte und bebildert sie jeweils mit eigenen, mit Tuschestift gezeichneten und mit Buntstift kolorierten Grafiken. In ihrem Gedicht „Der böse Gerhard“ verarbeitete Renate Gradwohl ein persönliches Erlebnis: Sie bemerkte eines Tages, dass ihr damaliger Freund Gerhard, der ebenfalls Mitarbeiter der Werkstatt war, auch mit einer anderen Frau Intimitäten austauschte, was sie in Traurigkeit, Eifersucht und Depression stürzte. In dem Gedicht beschreibt sie ihren seelisch-emotionalen Tod. In der Grafik, die sie zum Text anfertigte, sieht man, wie eine Frau auf einer Totenbahre von vier Männern unter dem Geleit von trauernden Menschen und Engeln zu Grabe getragen wird, darunter auch ein glücklich vereintes Paar … Ingrid und Gerhard. Der Lyriktext „Der böse Gerhard“ wurde 2007 mit dem Ohrenschmaus-Literaturpreis und 2008 mit einer EUCREA-Nominierung ausgezeichnet.
Susanne Strobl, Regisseurin und Produzentin, zu den Dreharbeiten:
Heikel war die Arbeit am Animationsfilm insofern, und damit aber auch eine große Herausforderung für mich, als Renate Gradwohl, und das hat sie mit vielen KünstlerInnen und LiteratInnen gemeinsam, in diesem Text die Sinnfrage stellt, und dabei auf sehr originelle Weise zu einer beeindruckenden und nachvollziehbaren Lösung kommt.
In ihrem persönlichen Leben hat Renate Gradwohl als Frau mit einer intellektuellen Behinderung mit einer Doppeldiskriminierung zu kämpfen. Im Film kommt das in den Schlägen der Hauptfigur mit ihren Armen ins Leere zum Ausdruck, ein Kampf gegen Diskriminierung und Ausgrenzung, womit Frauen generell belastet sind.
Realfilm mit animierten Sequenzen, 4 min., Full HD, 16:9, stereo
Konzept, Regie, Animation, Produktion: Susanne Strobl
Textvorlage zum Puppenspiel: Renate Gradwohl
Wissenschaftliche Beratung: Mag. Tobias Buchner
Infos über den Trickfilm bei Eva Schrammel, Lebenshilfe Österreich, Telefon: 01 / 812 26 42 – 79, Mobil: 0664 / 88 43 1996, schrammel@lebenshilfe.at
Der Trickfilm wurde gefördert mit Mittel von:
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